Berkheimer Fasnet
Die Berkheimer Narren sind ein freier und loser Zusammenschluss der fünf im Ort bestehenden Narrenzünfte. Diese unterstützen sich während des Jahres und in der Fasnet gegenseitig und tragen so zu einer gelungenen Fasnet im Ort bei. Das Ziel ist es, die örtliche Fasnet traditionsgemäß an die nächste Generation weiterzugeben und den Erhalt der Berkheimer Fasnet zu schützen.

Es gab eine Horde Verrückter, die jedes Jahr am 11.11. und am schmotzigen Donnerstag durch den „Flegga" – für Nichtschwaben den Ort – gezogen sind. Es gab auch ein Lokal namens Albblick, das genau zu diesen Zeiten ZUR SCHWARZEN LOLA wurde. Zudem gab es einen Oberverrückten, der im tiefsten Schwarzwald die schwäbisch-alemannische Fasnet kennengelernt hatte. Aus diesem Eintopf sind wir entstanden – die Berkheimer Fleggakaschber.
An einem besagten Tag kam es dann 1983 spontan bei der Schwarzen Lola am Stammtisch zur Gründungsversammlung. Da diese nicht vorgeplant war, wurde die Satzung auf einer Klopapierrolle festgehalten. Klar war zu dieser Zeit nur, dass man künftig gemeinsam und gezielt an der Fasnet unterwegs sein wollte. Bald kam die Idee auf, nicht nur gemeinsam, sondern auch einheitlich „gekleidet" unterwegs zu sein. So entwarf der Oberverrückte ein Kostüm – genannt Häs.
Namensfindung und Häs hingen eng zusammen. Hexen und Teufel gab es schon überall. Da lag der Gedanke an lustige, fröhliche Zeitgenossen nicht fern. So entstanden die Kasper – schwäbisch Kaschber. Hinzu kam der Flegga, einerseits in Bezug auf den Ort – schwäbisch Flegga – und auf die Stofffetzen, ebenfalls Flegga genannt. Das Häs besteht aus einzelnen, mit fast 2000 Metern weißem Faden im Zickzack umnähten Stoffflecken. Insgesamt benötigt man ca. 200 dieser 20 cm großen Quadrate in den Farben Blau, Grün, Gelb, Orange, Rot und Schwarz. Damit wir auch akustisch wahrgenommen werden, erhält jedes Häs zur Vervollständigung noch über 150 Messingglöckchen.
Quelle: Fleggakschber
Seit 1990 wird unsere Narrenzunft offiziell unter dem Namen "Stoiriegel-Goischter Berkheim" im Berkheimer Vereinsregister geführt. 1993 wurden wir dann im Esslinger Amtsgericht als „eingetragener Verein“ registriert.
Doch schon Jahre vorher geisterten die Ersten als „Nachthemden" am Faschings-Dienstag durch die Berkheimer Szene und legten somit den Grundstein für das närrische Treiben.
Übrigens: Der "Stoiriegel" ist ein kleines Waldstück am Ortsrand von Berkheim. Dort sollen, wie der Volksmund erzählt, im Frühjahr und Herbst sagenhafte Geistergestalten erscheinen. Wir als "Stoiriegel-Goischter" verkörpern diese Gestalten mit unserem geisterähnlichen Häs in den leuchtenden Wappenfarben von Berkheim: Rot und Gelb.
Während der Faschingssaison sind wir mit unserer Laufgruppe oder unserer Guggenmusik sowohl bei den Berkheimer Veranstaltungen als auch bei den regionalen Umzügen dabei.
Quelle: Stoiriegel Goischter
Die Erlenwölf entstanden, als sich sieben verrückte Berkheimer in der heutigen „Wolfshöhle" (Matthias Theurers Keller) zur Suche nach einer neuen Narrenfigur trafen. In den Berkheimer Chroniken stießen sie auf das „Erlenhau", ein steil abfallendes Waldstück Richtung Sirnau, mit zwei Brunnen und dem „Waldhäusle". Da die Berkheimer seit eh und je eine enge Verbundenheit mit ihrem Wald hatten, sollte sich dies in unserer Figur widerspiegeln. Beim Suchen der passenden Larve (Maske) stießen wir auf eine Karte, die die Verbreitung der Wölfe in unserer Region kennzeichnete. Im Wald zwischen Denkendorf, Köngen und Berkheim haben die Wölfe gelebt. Der Name war nun gefunden und somit wurde der „Berkheimer Erlenwolf" geboren. Am 28.01.1997, mitten in der Kampagne, war es dann endlich soweit und wir wurden ein eingetragener Verein.
Im Jahre 2003 haben wir ein neues Häs entworfen und somit einen weiteren Grundstein für die Zukunft gelegt. Unser Häs besteht nun aus Kunstfell in den Farben Grau und Weiß.
Quelle: Erlenwölf
Gegründet wurden die Berkheimer Waschweiber 1995 aus einer damaligen Sportgruppe. Anfangs bestand unsere Gruppe fast nur aus fasnetsbegeisterten Frauen, mittlerweile haben wir auch männliche Waschweiber. Wir als Berkheimer Waschweiber verkörpern die Waschfrauen, die früher in unserem Ort Berkheim zum Brunnen mussten, um ihre Wäsche zu waschen und natürlich um zu tratschen.
Unser Häs besteht aus einem rot-weiß geblümten, wadenlangen Rock mit weißen Spitzen am Unterrock, einer blau-weiß geblümten Schürze und einer rot-weiß geblümten, aufgenähten Tasche, einer weißen Jacke mit roten und blauen Knöpfen, einem roten Halstuch und unserer Maske mit einem freundlichen Frauengesicht, blondem Rosshaar und einem weiß-blau geblümten Kopftuch.
Quelle: Waschweiber
Der Verein wurde am 19. März 2001 gegründet und ist seit dem 27. Juni 2001 ein eingetragener Verein. Entstanden ist unser Verein aus Hästrägern, die vornehmlich aus dem Großraum Stuttgart und Esslingen stammen und mittlerweile zum Teil auf eine über 42-jährige „Hästräger-Laufbahn“ zurückblicken können. Wir haben uns voll und ganz dem Brauchtum der schwäbisch-alemannischen Fasnacht verschrieben, was unter anderem bedeutet, dass wir nur nach den Rauhnächten (die Tage/Nächte von Heiligabend bis zum Erscheinungsfest), also zwischen dem 6. Januar und Fasnets-Dienstag, im Häs anzutreffen sind. Besonders stolz sind wir als Mitbegründer auf den Berkheimer Nachtumzug, der sich seit 2003 als feste Größe in unserer Region etabliert hat und nur alle zwei Jahre am letzten Samstag vor der Hauptfasnet stattfindet.
Unser Häs präsentiert sich in den Berkheimer Wappenfarben Rot, Gelb und Schwarz. Unsere Larve (Maske) wird aus Lindenholz nach unseren Vorstellungen von Hand gefertigt, ebenso unsere Strohschuhe.
Quelle: Vereinshistorie
KaWoGoHeWa verkörpert alle Berkheimer Narrengruppen in einem Häs und ist somit die Symbolfigur der Berkheimer Fasnet und des Berkheimer Zusammenhalts.
Seine Maske ist die der Stoiriegel Goischter. Die Jacke besteht auf der linken Seite aus dem Häs der Fleggakaschber und auf der rechten Seite aus dem Häs der Erlenwölf. Der Rock besteht auf der linken Seite aus dem Rock der Waschweiber und auf der rechten Seite aus dem Rock der Berk-Hexen.
Deshalb ist der KaWoGoHeWa die Symbolfigur der Berkheimer Fasnet.
Quelle: Berkheimer Narren
Bereits am Morgen machen sich die schwarz befrackten Abstauber auf den Weg. Ihr Ziel: Narren finden, bei denen das Häs vom Staub befreit werden muss. Hierbei tragen die Abstauber ihre Utensilien mit sich, die sie benötigen, um Rollen, Musikinstrumente, Masken und diverse Häser der Berkheimer Narren und deren Utensilien vom Staub, der über das Jahr angefallen ist, zu befreien.

Am Abend, nachdem die Häser vom Staub befreit wurden, findet das Narrenwecken am Brunnen vor dem alten Rathaus statt. Hierbei erwacht der Kaschber aus dem Brunnen vor dem alten Rathaus. Ebenfalls kommt die aus dem Vorjahr übrig gebliebene alte Hexe aus dem Feuer, der Erlenwolf schleicht aus dem Wald, das Waschweib wedelt mit nassen Socken die Fasnet ein und der Stoiriegel Goischt erlangt zu neuem schelmischen Tatendrang und lässt die ersten musikalischen Töne verlauten.

Eingeladen im Namen der Berkheimer Narren, führen drei der fünf Narrenzünfte (Waschweiber, Goischter, Erlenwölf) das Narrenbaumstellen in Berkheim durch.
In Berkheim wird das Narrenbaumstellen in traditioneller Schwerstarbeit mit Schwalben durchgeführt. In einer Aktion, die immer Gefahr birgt, dass der Stamm bricht oder fällt, wird er Stück für Stück durch Manneskraft in die Senkrechte gebracht. Sobald der "Stegga" steht, wird in der Festhalle das Narrenfreiheitssymbol einer jeden Dorf-/Ortsfasnet ausführlich gefeiert.

Im Rahmen der Hexennacht wir die traditionelle schwäbisch-alemannische Fasnacht in den Vordergrund gestellt. Zentrale Rollen spielen verschiedene Spielbräuche wie Zunftvorstellungen, Musik-und Maskentänze. Veranst.asp?ID=12&CAT=Berk-Hexennacht&SUBCAT=">Berk-Hexennacht.
Der Berkheimer Nachtumzug leitet die heiße Phase der Berkheimer Fasnet ein. Traditionell findet dieser immer am Samstag vor der eigentlichen Fasnet statt und führt von der Jakobstrasse durch Berkheim bis zur Osterfeldhalle. Eine ausgiebig Strassenfasnet nach dem Umzug ist in Berkheims Gassen obligatorisch. Veranstalter per Gründung Freie Narrenzunft Berkheim e.V. Berk-Hexen & Berkheimer Fleggakascher seit 2003 ab 2025 Berkheimer Fleggakaschber e.V..
Der Schmotzige Donnerstag bildet unumstritten den Beginn der Berkheimer Hochfasnet. Auch hier werden bereits in den Morgenstunden weitere Spielbräuche der Berkheimer Fasnet durchgeführt und enden erst spät in der Nacht auf den rußigen Freitag.

Bereits am frühen Morgen machen sich die Berkheimer Narren auf, um die verschiedensten Kitas und Kindergärten im Ort zu besuchen – echte Narren zum Anfassen! Hierbei lernen die kleinsten Berkheimer schon früh die Häser und Masken kennen und dürfen auch mal einen Blick durch letztere werfen.

Nachdem die kleinsten Kinder des Ortes besucht wurden, wird die Schillerschule Berkheim befreit – Schulfrei, es ist Fasnet! Zu diesem Anlass stürmen die Berkheimer Narren das Schulhaus und befreien Stück für Stück die einzelnen Klassen. Gemeinsam wird im Anschluss auf dem Schulhof die nun folgende närrische Zeit gefeiert.

Auch die älteste Generation wird von den Berkheimer Narren nicht vergessen, und so erfolgt auch dort zum Nachmittagskaffee ein Besuch des Pflegeheims.
Am Abend, wenn es dunkel ist und der Platz der Berkheimer Narren sich mit diesen füllt, werden dort die Fahnen gehisst. Die Fahnen symbolisieren die nun im Ort geltende hochnärrische Freiheit. Im Anschluss an das Fahnenhissen folgt ein kleiner närrischer Spaziergang zum Narrengericht, begleitet von Fackelträgern und Musik.

Nicht nur der Berkheimer Bürgerausschuss, sondenr auch ein vertreter der Stadt Esslingen muss dem Hohen Gericht von berkheim Rede und Antwort stehen. Anhand der Rückmeldungen (Narrenkasten) der Berkheimer bevölkerung wird im Bürgerausschuss und den städtischen Vertretern die Anklage durch den "Rat der Narren" gelesen. Im Anschluss haben die Angeklagten die Möglichkeit, sich vor dem Rat der Narren bezüglich Ihrer Anklage zu positionieren. Am Schluss des narrengerichtes wird ein Urteil durch den Rat der Narren gefällt, welches von den Angeklagten im laufenden Jahr erfüllt werden muss.

Nachdem das Urteil ertönt und der Hammer gefallen ist, startet im Anschluss der Weiberball. Hierbei sind ausdrücklich Kostüme und Verkleidungen erwünscht. Der Weiberball bildet den Abschluss des Schmotzigen Donnerstags und endet meist erst in den frühen Morgenstunden des rußigen Freitags.
Das Fahnen Einholen am Platz der Berkheimer Narren symbolisiert das Ende der Berkheimer hochnärrischen Zeit. Durch die Berkheimer Narren werden deshalb wieder die Fahnen eingezogen und das Ende der Fasnet damit eingeleitet. Nachdem die Fahnen eingeholt wurden, folgt ein Trauermarsch zum alten Rathaus. Dieser wird von Geheul unter dem Einfluss größter närrischer Traurigkeit begleitet, zusätzlich wird ein Trauermarsch aufgespielt.
Dort, wo die Berkheimer Fasnet begonnen hat, wird sie auch wieder enden. Nachdem der Trauerzug angekommen ist, wird ein letzter Dank an die noch vorhandene Fasnet gerichtet. Anschließend erfolgt das Verbrennen einer Strohpuppe im Narrenbrunnen. Traurig liegen sich die Narren in den Armen und gedenken der soeben verstorbenen Berkheimer Fasnet. Aber alle sind sich am Ende wieder sicher: S'goht dagege!
Nachdem man sich in Berkheim von der Fasnet verabschiedet hat, werden die gelbeutel gewaschen. Jede Narrenzunft hat hierzu seine eigenen Zeremonien. Wir Berk-Hexen waschen gründlichst die aus der Fasnet übrig gebliebenen Geldbeutel und gedenken dabei ein letztes Mal der erst kürzlich und viel zu früh versorbenen Fasnet. In Trauer gedenkt man Ihr und den heiteren und sehr schönen Momenten, die Sie uns geschenkt hat!
Nachdem die Trauerzeremonie vollzogen ist, gibt es ein traditionelles Fischessen mit eingelegtem Hering, dies obliegt auch jeder Zunft und wird durch jede Zunft selbst organisiert. Bei geselligem Zusammensein im Rahmen des Fischessens, werden die Highlights der vergangenen Fasnet besprochen und die ersten Pläne für die kommende Kampagne gemacht.
Ersteller: Zunftmeister Stephan Dorer (2024)