Warum unser Hexenhammer Hexenhammer heißt

Der „Malleus Malificarum“ wurde 1487 von den Dominikanern und päpstlichen Inquisitoren von Papst Innozenz VIII, Jakob Sprenger und Heinrich Institoris veröffentlicht und bildete sowas wie eine ideologische Grundlage für die dann verstärkt einsetzende Hexenverfolgung. Mit der Publikation dieses Buches wurde in Deutschland und anderen europäischen Ländern ein Wahn ausgelöst, der alle menschlichen Grenzen überschritt. Für den Papst waren Hexen die schlimmste Sorte Ketzer, außerdem hatte er mit seiner Hexenbulle eine Art Vorläufer des Hexenhammers verfaßt. Der Hexenhammer war das erste Buch, das Bosheit, Unbarmherzigkeit, Heuchelei, schmutzige Gedanken und Aberglaube so schamlos und brutal schilderte. Es titulierte jeden zum Ketzer, der die Existenz der Hexen anzweifelte. Außerdem findet man darin tausend Gründe, warum man Hexen suchen, aufspüren und vernichten soll. Es ist die beste Rechtfertigung, die ein Hexenjäger und Mörder der Hexen in dieser Zeit gebrauchen kann. Zuerst erschien er nur auf Lateinisch, war also nur den damaligen akademischen Diskussionen zu-gänglich; dann auch mit fast 30 Auflagen, auf Französisch, Italienisch und Deutsch. Die beiden Autoren berufen sich auch auf antike Quellen wie den Römer Cicero, die Bibel oder den Prediger Salomo, die sie geschickt in ihr mörderisches System von „Beweisen“ und Anklagen einfügten. Die Hexenverfolgung ging von 1450-1792 und forderte Millionen von Opfern, während des Höhepunkts zwischen 1625-1630 wurde fast 1/20 der europäischen Bevölkerung auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Das hat jetzt alles nicht unbedingt mit der schwäbisch-alemannischen Fasnet zu tun, aber ich fand einfach den Namen gut und der geschichtliche Hintergrund ist auch nicht zu verachten. Sind wir einfach froh, daß wir nicht mehr in dieser Art zur Rechenschaft gezogen werden für unser Tun.

Hebefigur der Berk-Hexen

Der Autor des sogenannten Hexenhammers wollte aufgrund seiner „negativen“ Berufserfahrung eine Grundlage für die Hexenverfolgungen schaffen. Im Jahre 1487 wurde der Hexenhammer erstmals in Straßburg gedruckt. Das Buch hatte großen Erfolg und wurde bei kirchlichen Richtern zum Handbuch für alle Fragen der Hexerei.

Das Werk bestand aus drei Teilen:

1. Hexerei
2. Wirkung der Hexerei
3. Hexenprozessrecht

Im Hexenhammer wird auch die Weiblichkeit der meisten Hexen angesprochen und „logisch“ erklärt. Der Hexenhammer besagt, es gäbe zwei Arten von Teufeln.

a)  Inkuben, Teufel mit denen Frauen geschlechtlich verkehren
b)  Sukkuben, weibliche Buhlteufel welche sich Männern hingeben.

Der Autor behauptet, dass aufgrund der unersättlichen Wolllust, die zum Umgang mit Dämonen reize, das weibliche Geschlecht besonders betroffen sei.

Das Wort Frau = femina wird einer genauen Analyse unterzogen. Das Wort femina komme von fe und minus, Fe = fides = Glauben, Minus = weniger.
Daraus folgt feminus, die, die weniger Glauben hat.
Außerdem seien Frauen ja schon immer als das schwache Geschlecht bekannt, welches sich leicht überzeugen läßt und auf Schwindel hereinfällt. Auch die geschlechtliche Betätigung sei bei Männern einfacher zu verhindern, deswegen sind auch Männer einfacher zu behexen als Frauen.
Frauen sind von Natur aus leichtgläubig, böse, geschwätzig und leicht beeinflußbar. Dies wird auch schon in der Geschichte von Adam und Eva verdeutlicht.
Nur Jungfrau Maria sei der normalen Weiblichkeit durch Gottes Gnaden enthoben. Angeblich neigen Frauen eher zu geschlechtlichen Ausschweifungen als Männer und das führe zur Teufelsbuhlschaft. Der Teufel wird auch von Grund auf nur männlich gedacht, deswegen sei der Geschlechtsverkehr eben nur mit Frauen möglich.

Aber wie war das typische Bild von Opfer und Ankläger? Und wie war die genaue Definition einer Hexe? Es war nicht immer die „typische“ Hexe, die diesem Wahn zum Opfer fiel. Auch gab es einen ewig wiederkehrenden Teufelskreis von Anklage und Vorwürfen, Hexenproben, Folter, Geständnis, bis hin zur Angabe von Mitschuldigen, was schließlich zu einer Wiederholung des Kreislaufs führte, aus dem es kein Entrinnen gab. Die letzte deutsche Hexenvernichtung ereignete sich 1775.

Das typische Bild von Opfer und Ankläger

Das typische Opfer, das auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, war meist weiblich, alt und arm. Je „häßlicher“ jemand war, je mehr Muttermale jemand hatte, desto größer wurde die Chance, als Hexe bezichtigt zu werden. Viele Hebammen fielen diesem Wahn zum Opfer, weil sie, laut Hexenhammer, mit Neugeborenen in Kontakt kamen und somit den Samen Satans in die Kinder pflanzen würden. Die Ankläger ersten Grades (keine Mitschuldigen) kamen meist aus wohlhabendem Umfeld. Sie waren fast immer männlich, reich sozial integriert und ständisch gehoben. Ihnen selbst konnte man nichts anhaben, die reichen Bürger waren mittels großzügiger „Spenden“ an Kirche und Richter unbelangbar. Der Grund und Boden der Armen wurde nach ihrem Tod an die Oberschicht der Region verteilt. Der damals gängige Satz: „Stets hänge man die Armen und gebe Haus und Hof an die Reichen.“, zeigt, aus welchem Grund „Hexen“ getötet wurden. Auch unlieb gewordene Ehefrauen und ungewollte Minderheiten sind so „beseitigt“ worden. Hexen waren Frauen, die nachts in abgelegenen Waldstücken dämonische Messen abhielten und dabei den Teufel anbeteten, der ihnen meistens in Form eines Bockes, Rehs oder eines Esels erschien. Sie schlachteten und brieten kleine Kinder, um Satan zu ehren oder um diverse Zaubersprüche in die Tat umzusetzen. Man glaubte auch, daß Hexen mit Vorliebe kurz vor der Erntezeit Hagelschauer zauberten, um die Ernte der Bauern zu zerstören, außerdem verhexten sie Kühe und Rinder, jegliches Nutzvieh, verdarben Butter und Milch und stahlen ganze Wintervorräte. Man erklärte viele Verhaltensweisen von Hexen damit, daß alle Hexen gierig und neidisch auf andere waren und sich auf diese Art „rächen“ wollen. Oft schnitt man aber die Definitionen so zusammen, daß sie auf möglichst viele Frauen gleichzeitig paßte.

Anklage und Vorwürfe

Nichts war leichter, als jemanden in der damaligen Zeit als Hexe auf den Scheiterhaufen zu bringen.
Es genügte zu beteuern, man habe sie des nachts „merkwürdige Dinge“ tun sehen, oder man sagte, daß eben diese Person einen Fluch über jemanden gelegt hatte. Selbst die Aussage von Kindern und sogar von Verbrechern wurden direkt zu Todesurteilen für die Betroffenen. Schnell erkannte man, daß sich dieses Handeln gut gegen Feinde oder Menschen, die eine gewisse Konkurrenz darstellten, einsetzen konnte. Dieses gegenseitige Bezichtigen forcierte das Ausbreiten des Hexenwahns wie ein Lauffeuer. Zu den schlimmsten Zeiten der Verfolgung fanden fast 2300000 Menschen den Tod auf dem Scheiterhaufen. Einige Richter sollen bis zu 1000 Menschen pro Jahr zum sofortigen Tode verurteilt haben.

Hexenproben

Hatte man erst einmal eine „Hexe“ gefangen, musste man auch beweisen, daß sie auch wirklich eine Hexe war. Entscheidend hierfür waren die sogenannte Hexenprobe.

Die häufigsten waren:

Die Wasserprobe

Man band die zu testende Person an Händen und Füßen fest, so daß sie sich nicht mehr bewegen konnte, dann warf man sie ins Wasser. Ertrank sie, war sie zwar tot, aber man wußte nun, daß die Person keine Hexe gewesen war. Blieb sie aber oben, konnte das nicht mit rechten Dingen zugehen. Sie war also eine Hexe und mußte sterben.

Man erklärte dies folgendermaßen:

Da Jesus Christus im Jordan getauft wurde, und sich dieses Wasser mittlerweile auf der ganzen Welt verteilt hat, ist es heilig. Heiliges Wasser nimmt nur „reine“ Personen in sich auf. Blieb sie an der Oberfläche, war sie mit dem Teufel verbündet.

Die Nadelprobe

Man suchte nach einem großen Muttermal und stach mit einer „Hexennadel“ hinein. Wenn Blut floß, war dies ein Zeichen der Reinheit, wenn nicht, war man (so gut wie) tod. Die sogenannte „Hexennadel“ war allerdings so präpariert, daß durch eine Metallfeder im Inneren des Schafts die Nadel in den Griff gedrückt wurde, ohne den Probanden zu verletzen. Quellen belegen, daß bei dieser Probe noch nicht ein einziges Muttermal geblutet haben soll.

Die Wägeprobe

Man setzte je nach Geschlecht ein bestimmtes Gewicht voraus, das ein Mensch haben durfte. Die Testpersonen durften nach der Waage nur 5 kg weniger wiegen. Waren sie leichter als das vorgegebene Gewicht, waren sie eine Hexe und wurden verbrannt. Waren sie schwerer, hatten sie die Waage verhext und wurden ebenfalls verbrannt. Genaue Angaben über das vorbestimmte Gewicht lassen sich leider nicht genau festlegen, da es von Region zu Region variierte.

Geständnis und Angabe von Mitschuldigen

Es kam äußerst selten vor, daß Geständnisse grundlos abgelegt wurden, meistens wurden sie durch die Folter erzwungen. Hatte man aber wirklich alle Vorwürfe gestanden, durfte man mit einer Strafmilderung rechnen. Im Klartext hieß dies, daß man nicht miterleben mußte, wie man verbrannt wurde, denn man wurde vor der Verbrennung stranguliert. Meist wurde auch eine große Anzahl von Mitschuldigen angegeben.
Sei es weil man nicht allein auf dem Scheiterhaufen stehen wollte, während die „Feinde“ bei den Schaulustigen standen und sich die Hände reiben, oder weil man Personen die dem Bischof oder Richter zuwider waren vorgesagt bekam. Größtenteils war dieses Handeln aber eine „Chance“, um diejenigen indirekt zu töten, die für das eigene Todesurteil verantwortlich waren beziehungsweise für die Bezichtigung als Hexe.

Ich hoffe das Lesen dieser nicht ganz uninteressanten und wissenswerten Lektüre hat Euch Spaß gemacht, natürlich habe ich hier das meiner Meinung nach Interessanteste nur auszugsweise wiedergeben können, der komplette „Hexen-Hammer“ würde diesen bescheidenen Rahmen deutlich sprengen.

F. M.