Brauchtum

Narrenrufe

Die Narrenrufe der schwäbisch-alemannischen Fastnacht sind jüngeren Datums und analog zu den traditionellen Schlachtrufen (Alaaf, Helau, Ahoi,...) der Karnevalsmetropolen entstanden. Traditionell grüßen die Narren mit einem Juchzen (Jauchzen) was sie als spontanen Ausdruck der Freude verlauten lassen und was sich schriftlich etwa als "Ju-Hu-Hu-Hu" dokumentieren ließe. In Rottweil unter anderem hat sich diese ursprüngliche Art des Narrenrufs erhalten (Hu-Hu-Hu). Anderswo sind individuelle Rufe entstanden, die innerhalb der organisierten Fasnacht seit dem Zweiten Weltkrieg bisweilen sogar zum Identifikationsmerkmal geworden sind. Der bekannteste Ruf der schwäbisch-alemannischen Fasnet, den sich Maskierte und Zivilisten zurufen, ist „Narri-Narro“.

Fasnetsprüche

Neben dem Juchzen, den Narren- oder Schlachtrufen, gibt es auch Narren- und Fastnachtssprüche, die – auch in Reimform – aufgesagt und gerufen werden. Sie können wiederum Teile von Narrenrufen enthalten oder sein. Oftmals sind im Lauf der Zeit die Narrenrufe, die wahrscheinlich örtlich begrenzt waren, ortspezifisch verändert worden. Oft sind diese 'Sprüchle' auch Spottverse.

Beispiele sind:

„Narro, siebe Sih (Söhne),
siebe Sih sin Narro gsi“

(Konstanz, Rottweil, Villingen)

„Narro kugelrond,
d'Stadtleit sind scho älle g'sond“

(Rottweil)

„Oh jehrom, oh jerom,
dia Fasnet hät a Loch“

(Fasnetsdienstag Nachmittag in Rottweil)

„Der Tag, der isch so freudareich,
dia Baura führet Mischt.
Dass d'r Bürgermeischter von Oberndorf
an reachter Sauhond isch!“

(Oberndorf)

„Hoorig, hoorig, hoorig isch die Katz
Und wenn die Katz nit hoorig isch,
dann fängt si keine Mäuse nit.“

(Meßkirch, Meersburg)

„Hoorig, hoorig, hoorig isch die Katz
Und wenn die Katz nit hoorig wär,
dann fängt si keine Mäuse mehr.“

(Waldkirch)

„Fahr ue, fahr abe, fahr Laufeburg zue
Wie tanze die Narre, wie chläppre die Schueh.“

(Laufenburg)

Einige Narrensprüche gehen auf so genannte „Heischebräuche“, fordernde Bräuche, zurück.

Im Laufe ihrer Entwicklung waren die Narren der schwäbisch-alemannischen Fasnet heischende (fordernde) Figuren, die von ihrem Gegenüber Gaben verlangten. Einerseits für den Selbstzweck, entstand daraus aber auch sehr bald eine karitative, soziale Funktion der Narren. Überbleibsel dieser Art sind beispielsweise im „Rottweiler Bettelnarr“ überliefert, der Almosen für Arme oder Kranke im Spital sammelte.

Heute ist die Situation meist umgekehrt. Der Zivilist fordert den Narren mit Narrensprüchen auf, etwas aus seinem Korb zu geben. Heischesprüche zur Fasnet in deutlichster Art haben sich z.B. in folgender Form erhalten:

„Giizig (geizig), giizig isch der/die...(Name des Angesprochenen),
un wenn er/se nit so giizig wär,
dann gäb er/se au ..
.(eingeforderte Gabe) her.“

„Fliagt a Vegele übers Feld, gib mr au a Fasnetsgeld!“

„Wecka-Raus, Wecka-Raus - Assa-warme Wusla raus!“ (Munderkingen)

ore, ore(Bregenz)

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