Ablauf der Fastnacht

Beginn am 6. Januar

In den meisten Orten des schwäbisch-alemannischen Raumes finden die ersten Fastnachtsveranstaltungen nach Ende der weihnachtlichen Festtage am 6. Januar, dem Dreikönigstag statt. Es gibt zwar auch Städte wie beispielsweise Konstanz, in denen es vergleichbar zum rheinischen Karneval üblich ist, die Feiern bereits am  11. November zu beginnen. Aber diese Fastnachten sind häufig karnevalesk geprägt oder haben keine allzu lange Tradition. Um die südwestdeutsche Fasnacht vom rheinischen Karneval zu unterscheiden, wird ihr Beginn auf den Dreikönigstag, den 6. Januar gelegt. Nach altem Brauch werden an Dreikönig die Schemen (Larven) abgestaubt. Von da an „goht's degege“, es finden die ersten Veranstaltungen und Umzüge statt. Die eigentliche Fasnet beginnt allerdings erst mit dem Schmotzige Dunnschtig (der Donnerstag vor Aschermittwoch), dem Höhepunkt der Fasnet. Von diesem Tag an finden vermehrt Umzüge und Veranstaltungen statt, und es werden Spezialitäten wie beispielsweise Fasnetsküchle zubereitet.

Entsprechend gilt der Fastnachtsbeginn vielen schwäbisch-alemannischen Narren als wesentliches Unterscheidungsmerkmal zum Karneval. Viele sehen im 6. Januar den ursprünglicheren Termin. Die neuere Forschung teilt diese Sichtweise allerdings nicht. Ähnlich wie am Fastnachtsdienstag beginnt am 11. November eine vierzigtägige, vorweihnachtliche Fastenzeit. Am Martinstag sind daher vergleichbare Traditionen festzustellen, wie während der Fastnachtstage. Zum Beginn der Fastnachtssaison entwickelte sich der 11. 11. allerdings erst mit dem Aufkommen des Karnevals im 19. Jahrhundert. Schließlich hätte eine Fastnacht, die sich über die Adventszeit und Weihnachten hinweggezogen hätte, dem Sinn dieser Tage vollkommen widersprochen.

Der Beginn der närrischen Tage wird in vielen Orten lautstark gefeiert. In Überlingen, Weingarten oder Markdorf schnellen die Narren mit ihren Karbatschen, in Rottweil klepfen die Buben in den Gassen mit einer Fuhrmannspeitsche und verursachen damit einen markanten Peitschenknall. In Villingen werden die Glocken der Häser, die sogenannten Rollen, so lange unter lautem Getöse geschüttelt, bis sicher ist, dass sich auch nicht das kleineste Staubkörnchen mehr darin befindet. Überhaupt legt man am 6. Januar großen Wert auf Sauberkeit. Im Gebiet des oberen Neckar gehen schwarz befrackte Abstauber von Haus zu Haus, um die eingemotteten Narrenkleider vom Schmutz zu befreien. In Rottenburg am Neckar unterziehen die Hexen Gäste und Einrichtungsgegenstände der Wirtshäuser einer ähnlichen Behandlung. Zum gleichen Zeitpunkt erhält die Fastnachtsmaske in Immendingen einen Ehrenplatz im Wohnzimmer. Aber auch die Schramberger Narren zeigen Ihre Ehrerbietung gegenüber dem Narrenkleid, indem sie es feierlich segnen: „Sei mir gegrüßt, du edles Kleid der Narren. Tritt nun hervor aus Deiner Jahresbleibe. Und erfülle mit Freude die Großen und die Kleinen. Dir sei geweiht die Fasnet im Jahre des Heils 20..“.

Die wichtigste Rolle der Feierlichkeiten am und in der Zeit nach dem 6. Januar spielen allerdings die geselligen Zusammenkünfte der Narren. So wird in Bad Saulgau und Bonndorf bei öffentlichen Versammlungen das Programm der kommenden Fastnacht verkündet und in anderen Orten wie Waldkirch oder Löffingen kommt man zu Narrenversammlungen zusammen, auch um letzte organisatorische Details zu klären. Mit Abstand am populärsten sind aber seit einigen Jahrzehnten die Narrentreffen, große Zusammenkünfte tausender Narren, die in den Wochen nach Dreikönig beinahe jedes Wochenende an wechselnden Orten stattfinden.

Lichtmess

Mit dem vierzigsten Tag nach Weihnachten, Lichtmess am 2. Februar, nimmt die Zahl der Fastnachtsveranstaltungen in allen Orten nochmals merklich zu. Fast überall ist ab diesem Tag das Maschgern (Oberschwaben), Strählen (Villingen), Schnurren (Schwarzwald), Welschen (Schömberg), Hecheln (Oberndorf) oder Aufsagen üblich. Dabei werden bemerkenswerte Ereignisse des vergangenen Jahres von den Narren aufgegriffen und den Bürgern in unterhaltsamer Form dargeboten. Früher war man dazu maskiert und es waren verschiedenste Darstellungsformen üblich, beispielsweise die Moritat. Auch wurden die Taten der Mitbürger häufig in kleinerem Rahmen oder am Straßenrand glossiert. Heute hingegen finden sich die Menschen meist zu festgesetzten Zeiten in den Gaststätten eines Ortes zusammen und die Narren ziehen unmaskiert in Gruppen von Wirtshaus zu Wirtshaus. Als Darstellungsform werden häufig Vierzeiler gewählt, die durch einige Lieder ergänzt werden.

Auch wenn die schwäbisch-alemannische Fastnacht im wesentlichen eine Straßen- und Wirtshausfastnacht ist, beginnt mit Lichtmess eine kurze Phase der Saalveranstaltungen. Häufig leisten die örtlichen Vereine mit jeweils eigenen Bällen ihren Beitrag zur närrischen Saison.

Mittwoch vor Fastnacht

Ursprünglich war der Mittwoch vor Fastnacht kein traditioneller Festtag der schwäbisch-alemannischen Narren. Besonders in den Abendstunden haben sich in der Nachkriegszeit aber Bräuche etabliert, mit denen die eigentliche Fastnachtszeit eingeläutet wird. Dazu gehört das Ausrufen oder Suchen der Fastnacht im Schwarzwald, ebenso wie die Maskenbeschwörung oder das Brunnenputzen in Oberschwaben.

Festlegung des Fastnachtsdienstags

Der Fastnachtsdienstag ist der Tag (bzw. die Nacht) vor dem Beginn der Fastenzeit, welche am Aschermittwoch beginnt. Das Datum des Aschermittwoch liegt 46 Tage vor dem Ostersonntag, der am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühjahr gefeiert wird.

Dieses Osterdatum rührt vom jüdischen Passah-Fest her, das zur Erinnerung des Exodus der Juden aus Ägypten nach dem jüdischen Mondkalender immer am 14. Nissan, also dem 14. Tag nach dem ersten Neumond im Frühjahr gefeiert wird und das seinerzeit Anlass zur Kreuzigung Christi war, doch wurde festgelegt, dass das Osterdatum immer an einem Sonntag statt findet.

Das Frühjahr beginnt nach dem gregorianischen Kalender, der 1582 eingeführt wurde, grundsätzlich am 21. März. Daraus ergibt sich für den Ostersonntag der 22. März als frühest möglicher Termin, der 25. April als spätester. Somit variiert der Zeitpunkt der Fastnacht im Kalender innerhalb einer Spanne von 35 Tagen. Vor dem Ostersonntag dauert die Fastenzeit 40 Tage. Damit käme man auf den Dienstag in der 6. Woche vor Ostern. Nach dem Konzil von Benevent (1091) wurden zusätzlich die Sonntage aus der Fastenzeit ausgeklammert und der Beginn der Fastenzeit deshalb sechs Tage vorverlegt auf den Mittwoch der 7. Woche vor Ostern, den Aschermittwoch. Der früheste Termin für den Aschermittwoch ist somit der 4. Februar.

Die Alte Fastnacht

Nach der Reform durch das Konzil von Benevent, welches den Termin des Beginns der Fastenzeit um 6 Tage vorverlegt hatte, blieb aber trotzdem der ursprüngliche Termin (der Dienstag in der 6. Woche vor Ostern) in Erinnerung, vor allem in einigen ländlichen Gebieten sowie in evangelischen Gebieten, die diese Konzilsbeschlüsse nicht anerkannten. Hier wurde die Fastnacht also weiterhin eine knappe Woche später am Montag gefeiert. Diese Bräuche haben sich als „alte Fastnacht“ oder „Bauernfastnacht“ bis heute erhalten. Oftmals wurde dann auch die Fastnacht zweimal gefeiert, wobei dann zur Unterscheidung zur Bauernfastnacht die erste, am Aschmittwoch endende Fastnacht als Herren- oder Pfaffenfastnacht bezeichnet wurde. Beispiele für die „alte Fastnacht“ sind die „Funkensonntage“, der Hirschmentig in Furtwangen oder der Termin der Basler Fasnacht.

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